Andacht für Dezember – Februar

Liebe Gemeinde und Freunde der Gemeinde,
es „weihnachtet“ sehr! Nicht erst jetzt im Dezember. Die Supermärkte preisen schon lange ihre Weihnachtswaren in prall gefüllten Regalen an. Anders als die erwartungsvollen, ersehnten Geschenke bei Kindern zu Weihnachten, kam das Geschenk Gottes für alle Menschen damals höchst ungelegen. Der Kaiser Augustus in Rom ordnete wegen seiner leeren Staatskasse an, dass jeder seine Steuererklärung beim Finanzamt abzugeben habe. Wie heutzutage gab es auch damals Fristen, die keinen Aufschub duldeten. Joseph und die hochschwangere Maria waren im Bezirk Bethlehem registriert.
Also machten sie sich auf zu ihrem zuständigen Finanzamt. In Bethlehem begegneten sie vielen Leuten, so wie wir, die alles auf den letzten Drücker machen. Die Hoteliers waren auf so viel Ansturm nicht vorbereitet. Und so kam es, wie es kommen musste:

„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lukas 2,7)

Einerseits erwartete das Volk Gottes sehnlichst den Messias, den Gott versprochen hatte zu senden. Und andererseits hatten nur wenige dafür eine Antenne, dass er genau jetzt in dem Gewusel kommen würde.
Alle sprachen nur in großer Aufregung vom Staatssäckel des Augustus. Wie peinlich! Der König der Könige kommt und es ist kein Raum in der Herberge.

Noch Jahrzehnte später erinnert man sich an die peinliche Geschichte:

„Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Johannes 1,11)

Das sollte uns nicht passieren! Als Gemeinde richten wir gerade neue Räume her, in Oberdresselndorf und in Holzhausen, Herbergen für Menschen.

Die Verträge zum Verkauf des Gemeindehauses in Oberdresselndorf werden Anfang Dezember unterzeichnet. Eine Tagespflegeeinrichtung wird hier entstehen für Menschen, die in der Woche besonderer Betreuung und Begleitung bedürfen. Wir räumen als Gemeinde unsere Räume und wir sind dankbar, dass sie nicht leer bleiben. In der Regie von diakonischen Werken entsteht hier eine Herberge für unsere Dorfbewohner/innen. Eine wichtige, existentielle und geistliche Herberge soll das werden. Das wäre doch peinlich, wenn eines Tages rückblickend in der Presse stünde: „sie hatten sonst keinen Raum“ im Hickengrund.

Auch im Gemeindehaus Holzhausen wird gebaut und neuer Raum geschaffen. Wir erweitern unsere Herberge. Manch einer fragt sich vielleicht, wozu? Beim Propheten Amos ist zu lesen:

„Gott der HERR tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluss den Propheten, seinen Knechten“ (Amos 3,7)

Wenn dem so ist, dann hat Gott bestimmt damals, in den Gebetshäusern in Bethlehem seine Pläne für „Weihnachten“ offenbart und auf den kommenden Ansturm der Reisenden hingewiesen. Aber es war dann doch nicht genug Raum vorhanden. Ob da wohl einige meinten: „Wozu?“
Wir werden als Gemeinde erleben, dass die Räume unserer Gemeinde in Zukunft gut gefüllt werden. Hoffentlich bleibt bei einem Ansturm niemand nur der Geräteschuppen, weil es immer noch nicht reicht. Das wäre peinlich. Das sollte uns nicht passieren, dass wir am Ende der Zeit zu denen gehören, die Jesus keine Herberge geboten haben und zu denen Jesus sagt:

„Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35).

Am Sonntag, den 5. Januar, 10 Uhr werden wir in einem Gottesdienst den offiziellen Baubeginn feiern. Gerne dürft Ihr dazu einladen. Bei aller Geschäftigkeit die uns in dieser Advents- und Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel auf Trab halten wird, dürfen wir nicht vergessen, wozu wir das alles machen: Dass der dreieinige Gott Herberge in unserem Herzen findet und offene Herzenstüren bei unseren Nachbarn und Freunden.

Pastor Reiner Morawe